er Kunstverein Ansbach 1950 – 1992

 

Am 25. Oktober 1950 kamen einige Mitglieder der Ansbacher Künstlervereinigung „Die Barke" sowie verschiedene Kunstfreunde in der Wohnung des Regierungspräsidenten von Mittelfranken, Dr. Hans Schregle, zusammen, um über die Gründung eines "Kunstvereins" zu beraten. Ziel sollte die „Pflege der bildenden Künste" sein.

Bereits eine Woche später traf sich ein größerer Kreis auf Aufforderung des Regierungspräsidenten im Leseraum des Ansbacher „Hauses der Volksbildung". Die Gründung des Kunstvereins begann sich abzuzeichnen. Und bereits am 24. November fand der erste Lichtbildervortrag statt. Dr. Carl Lamb sprach über die Tiepolo‑Fresken in der Würzburger Residenz. Damit auch zeichnete sich eine Haupttendenz des künftigen Vereins ab, die zu gelegentlichen Missverständnissen Anlass gab.

Der Kunstverein Ansbach entwickelte sich nämlich schwerpunktmäßig als kunsthistorischer Verein, der selbstverständlich aber auch die Würdigung zeitgenössischer Kunst in seine Arbeit einbezog. Eine selbständige Organisation von Ausstellungen mit Werken der Gegenwartskunst, verbunden mit der nötigen Organisationskapazität mitsamt dem wirtschaftlichen Risiko, wie es durch viele namensgleiche Vereine im Bundesgebiet erfolgte and erfolgt, war aber nie sein Ziel.

Am 7. Dezember 1950 fand dann eine erste Ausschusssitzung im Ansbacher „Schwarzen Bock" statt, bei der eine kommissarische Vorstandschaft aufgestellt wurde. Als erster Vorsitzender amtierte Dr. Hans Schregle, vor 1945 im höheren Schuldienst. Er hatte im sogenannten „Dritten Reich" erhebliche Schwierigkeiten, war Sozialdemokrat and erster Ansbacher Oberbürgermeister nach dem Zusammenbruch von 1945. Noch heute sehe ich ihn am 18. April dieses Jahres über den Martin‑Luther‑Platz Richtung Bad, heißt amerikanische Truppen, radeln. Der Oberbürgermeister im Schnellbackverfahren war wenige Monate später Regierungspräsident von Mittelfranken. Schregle gehörte zeitlebens zu jenen grundkultivierten Menschen, die das selbstverständliche Befassen mit der Kunst von Vergangenheit and Gegenwart, parallel zum Hauptberuf, als unaufhebbare Verpflichtung empfanden.

Zum zweiten Vorsitzenden wurde Dr. Dr. Wendelstein berufen. Auch er, ohne selbst jemals kreative Beiträge zu erbringen, empfand die ständige Offenheit gegenüber Kunst und Kultur als dauernden Auftrag des kultivierten Bürgers. Schriftführerin wurde Maria Schregle, Gemahlin des Regierungspräsidenten, zu Kriegsende im höheren Schuldienst an der Oberrealschule Ansbach, dem späteren Platen‑Gymnasium. Die Funktion des Kassiers übernahm zunächst Sparkassendirektor Karl Engelhardt. Bei den folgenden Ausschusssitzungen erklang immer wieder der Wunsch, „durch das fränkische Land" zu fahren. Am 8. Februar 1951 kam schließlich die offizielle Gründung. Schriftführer wurde Dr. Wirsching, Schatzmeister Wilhelm Baumann, durch seinen Einsatz für Ansbacher Baudenkmäler hochgeachtet. Dr. Rudolf Gruber, später ehrenamtlicher Leiter des Ansbacher Museums, übernahm das Amt des Kunstreferenten, also die eigentliche programmatisch‑inhaltliche Schaltzentrale.

Zum ersten Ausschuss gehörten unter anderem Wilhelm Kaußler, Kunsterzieher am Gymnasium Carolinum, Professor Waldemar Fritsch, „Porzelliner", nach eigenem Verständnis Bildhauer und Kontaktmann zur (häufig in sich zerstrittenen) „Barke", sowie Dr. Adolf Bayer, „der Justizrat", aus dem Bereich der landeskundlichen und heimatgeschichtlichen Forschung.

In der Folge waren die Standbeine des Kunstvereins Abendvorträge, meistens mit Lichtbildern, Eintagesexkursionen, Besuche von zeitgenössischen Kunstausstellung und größeren, überregionalen Ausstellungen. Die Organisation der Fahrten übernahm das Reise‑ und Verkehrsbüro der Stadt Ansbach.

Die ersten Ausflüge der zwölfjährigen „Schreglezeit" führten in die fränkische Umgebung: Taubertal, Nürnberg und Umgebung, Weißenburg, Eichstätt, Heidenheim, Ausstellungen des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg (woraus sich die regelmäßige Vorweihnachtsfahrt in die Noris entwickelte). Dazu kam der Besuch der Barke‑Ausstellungen in der Karlshalle.

Eine besondere Qualität erreichte die Arbeit des Kunstvereins mit den großen Exkursionen: 1954 Wien und Salzburg, England; 1955 Tours, Loire‑Schlösser, Chartres und Paris; 1956 Provence, Riviera und Oberitalien; 1957 Trient, Brescia, Bergamo, Verona und Venedig; 1959 Bretagne; 1960 wiederum die Provence. In der Regel war dabei Hans Schregle die zentrale Führungspersönlichkeit, unablässig bemüht, die Qualität des Gezeigten intensiv zu erschließen.

1962 musste Hans Schregle seinen veränderten Lebensverhältnissen Tribut zollen, zumal er nach der Erreichung des Ruhestandes in Erlangen sesshaft wurde. Den Vorsitz übernahm der gerade in der Interpretation der Gegenwartskunst äußerst kompetente Hermann Kaußler. Der beliebte Ansbacher Kunsterzieher, selbst als Maler und Graphiker sehr aktiv, einer der Barke-Motoren, vorbildlich tolerant und geduldig, meinte später zu mir, in Momenten des Schwindens gesundheitlicher Kräfte, dass er eigentlich gar nicht „so reden könne".

Auch und gerade unter Hermann Kaußler entfaltete der Kunstverein unverdrossen seine Arbeit. Das übliche Vortrags‑ und Ausstellungsprogramm wurde ergänzt durch die lange nachklingenden Fahrten in die Toskana und nach Burgund (1965), nach Flandern (1966), Prag und England (1967), Rom (1968) und Wien (1969).

Am 21. April 1970 übernahm Adolf Lang den Vorsitz des Kunstvereins. Er akzeptierte dieses Amt in einem nicht ganz leichten Moment der Vereinsgeschichte. Das Interessenpotential in und um den Kunstverein war zwar unverändert groß, vielleicht sogar gewachsen. Es zeigte sich aber, schon während der Ära Kaußler, dass manches Einzelinteresse am Kunstverein erloschen war, als der Regierungspräsident das Deck verlassen hatte. Auch das Desinteresse der Kunsterzieher an höheren Schulen wurde wiederholt moniert. Die Bereitschaft zur Übernahme von Vereinsämtern sank abrupt ab, vielleicht nicht nur ein Kunstvereins-Phänomen.

Wenn Dr. Dr. Wendelstein später Adolf Lang als Retter des Kunstvereins pries, war das in dieser fatalen Situation begründet. Adolf Lang, Ansbacher Abiturient, von 1960 bis 1962 wissenschaftliche Hilfskraft am Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Erlangen, war 1963 nach Ansbach zurückgekehrt, wo er der erste hauptamtliche Leiter des Stadtarchivs und des (damaligen) Kreis‑ und Stadtmuseums wurde. Im Nebenfach zur Musikwissenschaft hatte er Kunstgeschichte sowie romanische Philologie studiert und vereinte musikgeschichtliche, kunsthistorische und landeskundliche Kenntnisse, was später die Exkursionen und Vorträge des Vereins unverwechselbar prägen sollte. 1964 hatte er auch das Amt des Stadtheimatpflegers übernommen und im selben Jahr die Mitarbeit im Kunstverein (Ausschuss,1969 Kunstreferent) begonnen.

In den folgenden 17 Jahren gab es keine prinzipiellen Veränderungen des Vereinskurses, wenn man vom Ausbau der Beziehungen zum Kreis‑ und Stadtmuseum, später Markgrafen-Museum Ansbach absieht. Rückgrat der technischen Abwicklung war weiter das „Haus der Volksbildung", bzw. die Volkshochschule Ansbach. Und der Reisedienst Steiner Ansbach, mit seinen vorzüglichen Fahrern, an der Spitze Karl Wollmershäuser, wurde zu einem zusätzlichen Garanten der Exkursionen. Die thematische Palette wurde erweitert, hohen Rang nahmen die Auslandsexkursionen ein. So ging es 1971 für eine Woche nach Venedig, 1972 nach Oberösterreich, 1973 folgte Niederösterreich, 1976 Kärnten, 1977 wurde erneut die Provence bedacht, 1978 galten zehn Tage den nordfranzösischen Kathedralen.

1980 folgte der vierzehntägige USA‑Besuch unter dem Thema „Fränkische Kunstschätze in amerikanischen Museen" ‑ eine inhaltsreiche Fahrt mit Ansbacher Markgrafenporträts in Chicago, der Wolframs‑Eschenbacher Fayence‑Madonna in Boston, Ansbacher Staatswappen, Rothenburger Tafelbildern in Cleveland, Ansbacher Fayence und Porzellan in New York und Toronto, Ansbacher Truppenfahnen in Washington.

1981 ging es für 16 Tage in die Normandie, Bretagne und das Limousin. Dabei wurden auch zeitgeschichtliche Aspekte berücksichtigt. 1982 waren Berlin, Dresden und Meißen an der Reihe. Der Ansbacher Partnerstadt Anglet und dem baskischen Umfeld galt 1983 eine Exkursion mit Werner Bürger, dem späteren Leiter des Markgrafen-Museums Ansbach.

1985 führte eine Zehntagesfahrt nach Apulien mit den großen Bauzeugnissen der Normannen und Hohenstaufen. Sie wurde 1987, unter demselben Thema, durch eine Sizilienfahrt ergänzt. Eine Tessin- und Lombardeifahrt flankierte das Jahresprogramm.

1987 verließ Adolf Lang Ansbach, um in Kassel als Bildungsreferent des Bundesministeriums für Frauen und Jugend die Leitung des Internationalen Arbeitskreises für Musik zu übernehmen. Er hatte 17 Jahre seiner Tätigkeit als Vorsitzender vor allem durch das für ihn typische Zusammenfließen allgemeinhistorischer, kunstgeschichtlicher, landeskundlicher und musikalischer Daten geprägt. Höchstes Anliegen war ihm immer, jedem Interessenten jeglichen Bildungsstandes einen Weg zu Kunst und Geschichte zu bahnen.

Materiell gesehen gab Adolf Lang dem Kunstverein eine solide wirtschaftliche Basis. Er übernahm alle Führungen stets selbst, schloss häufig mit Hotels direkt ab, ersparte also beträchtliche Kosten. Das entstehende bescheidene finanzielle Polster bot schließlich die Möglichkeit, den Kunstverein für Aufgaben außerhalb seiner herkömmlichen Arbeit zu engagieren, zum Beispiel für das Ansbacher Museum.

Durch Ankäufe, die dem Museum zur Verfügung gestellt wurden, wurde eine neue Vereinsdimension eröffnet. So konnte die Sammlung Ansbacher Porzellan, im Gefolge der Ausstellung „Ansbacher und Den Haager Porzellan", durch den Kunstverein ergänzt werden. Das wichtigste Objekt war vielleicht der Erwerb eines Gemäldes des Ansbacher Hofmalers Friedrich Gotthard Naumann, das den Ansbacher Kupferstecher Johann Gottfried Köppel zeigt.

Auch die Gegenwartskunst wurde nicht vernachlässigt. Die Sonderausstellungen des Museums, in der Regel war jede zweite der Gegenwartskunst gewidmet, wurden regelmäßig besucht. Zu einer wirtschaftlich eigenverantwortlichen Durchführung von modernen Kunstausstellungen konnte sich der Kunstverein auch unter Adolf Lang nicht entschließen. Dazu waren weder die finanziellen noch die personell‑organisatorischen Voraussetzungen zu irgendeinem Zeitpunkt gegeben.

Dr. Udo Müller‑Barthél führte ab 1987 den Kunstverein in eine neue Arbeitsdimension. Ohne vom alten Auftrag etwas abzugeben, wurde die aktive Unterstützung des Markgrafen-Museums Ansbach endgültig programmatischer und realer Teil der Vereinsarbeit. Der Kunstverein begann, sich als Sponsor des reichhaltigen, aber in der Entwicklung gehemmten Markgrafen-Museums zu verstehen. Und derartiges Sponsorentum ist letztlich hochkarätig, weil es, über die Eigenleistungen hinaus, die öffentliche Hand moralisch zu größerem Engagement verpflichtet, die an massiver Bürgerbeteiligung nicht unbeeindruckt vorbeigehen kann.

So gesehen war es wichtig, dass bisherige Amtsträger ihre Arbeit fortsetzten, aber auch neue Kräfte dazugewonnen wurden. So blieben beim neuen Team von Dr. Udo Müller‑Barthél dankenswerterweise Ilse Lunt, Bert Ponath, Helmut Friedrich, Werner Bürger, Hildegard Kaiser. Ein wesentlicher Zugewinn war Bezirksheimatpfleger Dr. Kurt Töpner. Dazu stießen Gerhard Grohe als Schriftführer und Robert Wagner als Schatzmeister. Elisabeth Hofmann und Luise Meyer verließen den Beirat und wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der bisherige Vorsitzende, jetzt Ehrenvorsitzende, versuchte, aus dem fernen Kassel, durch Übernahme von Einzelaufgaben, wie bei der abenteuerlich‑unvergeßlichen Maltafahrt, einen Beitrag für die Zukunft des Kunstvereins zu leisten.

Dr. Udo Müller‑Barthél führt das Grundprogramm des Kunstvereins als solches uneingeschränkt weiter. Immer noch ist die fränkische Landschaft wesentliches Thema, sind Besuche wichtiger Sonderausstellungen ein Grundanliegen, wird über Vorträge eingehend vorbereitet.

1987 ging es mehrtägig nach Köln und Kassel, 1988 zur Bajuwaren‑Ausstellung. Dr. Karl‑Heinz Bartling war in diesen Jahren als Kunstreferent wesentlicher Garant der Arbeit. 1989 stellte die Studienreise, über 13 Tage hinweg, „Auf den Spuren des Malteserordens", mit Rom, samt Papstaudienz und Besuch der Malteserbotschaft, einem turbulenten Neapelaufenthalt (samt heimischer Fußballsiegesfeier), der Kurzvisite von Syrakus und Palermo, schließlich dem Hauptthema Malta ein kaum zu übertreffendes Ereignis dar. Oder hat jemand das Abenteuer des Übersetzens mit eigenem Bus nach Gozo vergessen?

1990 ging es auf eine reichhaltige Österreich‑Ungarn‑Fahrt, aber auch für fünf Tage nach Paris. 1991 folgte erneut eine Exkursion zu den gotischen Kathedralen Nordfrankreichs, diesmal mit dem Bamberger Museumsdirektor Lothar Hennig.

Insgesamt stellt sich damit der Kunstverein Ansbach 1992 als Wesen voller Lebendigkeit dar. Er ist jetzt beim Registergericht Ansbach eingetragen, die Satzung weist die Förderung des Ansbacher Museums als zusätzliches Vereinsziel aus.

Mehr als vier Jahrzehnte nach seiner Gründung hat er an Aktualität nichts verloren, im Gegenteil, durch sein Projektengagement noch dazugewonnen. Er hat Zukunft.

Adolf Lang

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